Advent 2017 - Nikolaus – Klausenbigger – Santa Claus

Die diesjährige Adventsausstellung im Niggelturm in Gengenbach zeichnet in groben Zügen die Karriere eines wundertätigen Bischofs nach, der sehr unfreiwillig und über mehrere Ecken zur Ikone des weihnachtlichen Kommerzes geworden ist. 

Nur wenige Heilige genießen bei allen großen christlichen Bekenntnissen große Verehrung und Popularität. Die vielleicht wichtigste Gestalt ist jene des legendenumwobenen Nikolaus von Myra. Der im 4. Jahrhundert in Kleinasien lebende Bischof ist nicht bloß Schutzpatron von Griechenland und Russland, sondern genießt auch das Vertrauen der Metzger und Diebe, der Schüler und der Heiratswilligen, der Kaufleute und der Flößer (auch jener früher im Kinzigtal). Und er gilt als Heiliger der Ökumene, denn weder die Kirchenspaltung des 11. Jahrhunderts noch die Reformation des 16. Jahrhunderts haben die Nikolaus-Verehrung beeinträchtigt.

Bemerkenswert ist auch, dass sich seit vielen Jahrhunderten viel Masken-Brauchtum um seinen Festtag, den 6.Dezember, rankt: Auftritte von tadelnden und lobenden Bischöfen und ihren dunklen, lärmenden Begleitern. Von anderer Qualität ist der erst im 19. Jahrhundert in Erscheinung tretende Santa Claus, der uns heute in der Gestalt des gemütlichen Weihnachtsmannes als allgemein verstandener Botschafter des Weihnachtsgeschäfts auf Schritt und Tritt begegnet und dabei auch oft mit dem heiligen Bischof verwechselt wird. Ihm, dem frommen Wohltäter, wäre eine solche Rolle zweifellos fremd gewesen.

Die Ausstellung im stimmungsvollen Turmgeschoss hoch über den Altstadtdächern von Gengenbach erinnert in verschiedenen Zeugnissen an die tiefe Verehrung von Nikolaus von Myra. Zeugnis dafür ist zum Beispiel ein Gemälde, das sonst im Schloss des Fürsten von Waldburg-Wolfegg-Waldsee hängt und als Leihgabe exklusiv in den Niggelturm kommt. Dieses Werk steht in stillem Dialog zu zwei Gesellen aus dem Zug der Steinacher Klausenbigger und zu einer merkwürdigen, rotgewandeten Schar von kleinen und großen Weihnachtsmännern. Nicht wenige von den „Santas“ stammen aus fernöstlicher Industrieproduktion und sollen als Importartikel nun bei uns zur Hebung der Weihnachtsstimmung beitragen oder zumindest erheitern …  

 

Dominik Wunderlin, Gastkurator



2017 - Schelle Schelle Sechser, alli alti Hexe, Narro

Parallel zur Gengenbacher Hexe entwickelte sich ab etwa 1935 auch in Offenburg eine Hexenfigur, die fortan die Straßenfastnacht beleben sollte. Das Ehepaar Vollmer fand schnell Mitstreiter und legte den Grundstein für die Offenburger Hexenzunft. Erstmals im Gengenbacher Niggelturm werden nun die Historie, die Entstehung und die Entwicklung dieser sehr populären Fastnachtsfigur aus Offenburg gezeigt. Neben den Gründermasken von Karl und Pauline Vollmer, die im Besitz des städtischen Ritterhausmuseums sind, werden weitere Dokumente und viele Masken aus über 80 Jahren Zunftgeschichte präsentiert. Besonderen Wert legen die Offenburger Hexen seit Jahren auf ihre handgeschnitzten Masken, die oft Portrait-Masken sind und auf den Charakter des jeweiligen Trägers abgestimmt werden. Zur Offenburger Hexenzunft gehören neben der Einzelfigur des Hexenmeisters, auch noch die Figur des Hanseles und der Alt-Offenburgerin, sowie den Büttel oder Sechser, der den mittelalterlichen Stadtpolizisten repräsentiert. Gerade die langjährige närrische Fehde mit den Gengenbacher Hexen, sowie die Besonderheiten der Offenburger Hexenzunft, wie die Strohhexenverbrennung, das Gizig-Rufen und ihre Kuchiobende werden in der Sonderausstellung gezeigt. In der Ausstellung sieht man historisches Filmmaterial und viele einzigartige Fotos, die in dieser Form noch nie gezeigt wurden. Inzwischen pflegen die jeweiligen Verantwortlichen beider Zünfte ein sehr freundschaftliches Verhältnis, was am Ende auch zu dieser Einladung in das Narrenmuseum Niggelturm und der Narrenzunft Gengenbach 1499 e.V. führte.